Heinz Baumgarten

Heinz Baumgarten

Heinz Baumgarten studierte an der Hochschule für Bildende Künste Kassel und an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Ein früher und wegweisender Impuls ging damals von seiner intensiven Auseinandersetzung mit der grafischen Notation Neuer Musik aus, mit der er 1969 beim Besuch der Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt in Kontakt kam. Schon länger interessierte es ihn, Wechselbezüge musikalischer und bildnerischer Ausdrucksformen zu untersuchen.

Folgerichtig waren seine Arbeiten von Anfang an ungegenständlich. Oft implizieren sie Abläufe oder biografisch-erzählerische Momente, die immer wieder prozessuales Geschehen und vielschichtige Ebenen sichtbar werden lassen, die – zumindest in den frühen Arbeiten – die Visualisierung musikalischer Äquivalente nahelegen. In manchen der Arbeiten der letzten Jahre taucht das Element einer partiturartigen Anordnung von Bildelementen wieder auf und schließt den Kreis zu den frühen Anfängen in der Auseinandersetzung mit der grafischen Notation.

Das frühe Werk Baumgartens der späten 1970er Jahre ist noch durch die intensive Auseinandersetzung mit für ihn wichtigen Vorbildern wie etwa Fritz Winter oder Malern des Informel geprägt. In den 1980er Jahren findet dann das Collageelement verstärkt Eingang in Baumgartens Arbeiten, immer durch malerische Passagen umschrieben und so in die Geschlossenheit des Bildzusammenhangs integriert. Auch außerkünstlerisches Material und Elemente der Alltagsrealität finden als Zitate Verwendung und vervollständigen den visuellen Fundus, aus dem Baumgarten schöpft.

Von besonderer Bedeutung war für Baumgarten die persönliche Begegnung mit Heinrich Siepmann in Mühlheim, dem er seine Arbeiten 1985 vorlegen kann. Im Jahre 2000 besucht er den hochbetagten Maler noch einmal in seinem Atelier. Das künstlerische Konzept Siepmanns bestärkte Baumgarten in wesentlichen Grundlinien, die er in seinen Arbeiten bereits entwickelt sah.

Inzwischen lassen seine Werke neben dem immer wieder aufbrechenden gestisch-skripturalen Duktus einen ausgeprägt konstruktiven Ansatz erkennen, der die Bildfläche in Zonen teilt und damit den Raum für die progressive Entfaltung und Reihung von teils kontrastierenden Teilstücken eröffnet.

Die Zusammenführung scheinbar unzusammenhängender und in sich abgeschlossen wirkender Zonen innerhalb eines Bildzusammenhangs ist ein wesentliches Element in Baumgartens Arbeiten. Ein Element der Sukzession, das gleichzeitig sichtbar wird und den Betrachter  zum Ablesen der Bilder auffordert, fungiert als Klammer einer sich häufig nicht aufzulösen scheinender Gegenstrebigkeit der einzelnen Bildteile und konstituiert so teils komplexe innerbildliche Verweisungszusammenhänge.

Die sinnlich-ästhetische Dimension ist der – in den späteren Arbeiten - konstruktiven Grundgestalt der Arbeiten Baumgartens dabei stets gleichwertig nebengeordnet, sei es in der Ästhetik der Farbe oder auch der materialen Eigenschaften der von ihm meist teils aufwändig und in zahlreichen Arbeitsschritten selbst hergestellten Collageelemente und Versatzstücke.